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4. Kölner Mediensymposium
- Der Hauptstadtdialog
"Leben im Schwarm - Wie das Internet uns verändert."
Videomitschnitte der Veranstaltung auf carta.info.

Von links: Prof. Dr. Christoph Neuberger, Institut für Kommunikationswissenschaft, Universität Münster; Markus Beckedahl, Betreiber von netzpolitik.org; Dr. Frank Schirrmacher, Herausgeber F.A.Z. und Buchautor, Constanze Kurz, Sprecherin des Chaos Computer Clubs (CCC); Tita von Hardenberg; Michael Mertes, Staatssekretär für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien; Prof. Dr. Rolf Schwartmann, Kölner Forschungsstelle für Medienrecht, Dr. Emil Schwippert, Vors. Richter am Oberlandesgericht Köln; Prof. Dr. Frank Hartmann, Bauhaus-Universität Weimar; Prof. Dr. Helga Theunert, JFF – Institut für Medienpädagogik

Begrüßung durch Staatssekretär Michael Mertes.
Steuert das Internet das Individuum?

Dr. Frank Schirrmacher, F.A.Z.
Sind Algorithmen - also Rechenformeln - in der Lage, Daten und damit gesellschaftliche Strömungen zu erfassen, zu benennen und damit letzlich Zukunft abzubilden? Können Sie Wahlergebnisse oder den Gesundheitszustand von Menschen vorhersagen, weil sie Soziogramme aus Netzspuren erstellen? Entscheidet schon bald prognostische Software, die unsere berufliche Eignung und Kompetenz bis zum 50. Lebensjahr im Voraus berechnet, über unser Einstiegsgehalt nach dem Studium? Und bestimmt demnächst die informationstechnische Prognose über unsere gesundheitliche Entwicklung in den nächsten Jahren die Höhe unseres in just diesem Monat zu entrichtenden Krankenkassenbeitrags? Frank Schirrmacher warf diese Fragen der zunehmenden Informationsflut auf. Keine Utopie, wenn man bedenkt, dass ein Internetdienst uns schon heute treffender Bücher empfiehlt als der beste Freund.
Muss sich das Recht dem Internet unterwerfen?

Constanze Kurz, Chaos Computer Club (CCC) und Professor Dr. Rolf Schwartmann
„Die Internetnutzer sehen keinerlei Unrecht in der Nutzung von File-Sharing-Börsen und daher sollte auch der Staat hier nicht kriminalisieren“. Für Constanze Kurz, Sprecherin des Chaos Computer Club, "muss sich das Recht endlich den Lebenswirklichkeiten im Netz anpassen“. Macht es denn rechtlich einen Unterschied, ob ein Kinofilm auf einer nicht autorisierten Kinoplattform angeschaut wird, oder ob man ihn auf DVD im Geschäft stiehlt? Ist geistiges Eigentum weniger schützenswert, wenn es im Netz verfügbar ist? Jursitisch sicher nicht. Dennoch werden Rechtsverstöße in der virtuellen Welt anders wahr genommen als in der körperlichen Welt. Darauf, dass sich für Staat und Bürger hier im Einzelfall Wertungsunsicherheiten ergeben, wies Rolf Schwartmann in seinem Statement hin. Ungezügelter Musikklau sei ebenso wenig eine Antwort wie Abmahnwellen. Der Gesetzgeber müsse derzeit anstehende Detailfragen angemessen regulieren, das Internet zugleich aber auch als Ganzes verstehen. Nur dies ermögliche nachhaltige Lösungen.
Podiumsdiskussion: "Internetrausch? Zwischen Bewusstseinserweiterung und Persönlichkeitsspaltung"
Teilnehmer des von Tita von Hardenberg (Vierte v.l.) moderierten Panels (von links):
Umfassende Medienkompetenz oder Orientierungsbedürfnis bei den digital natives?

Professor Dr. Helga Theunert, JFF - Institut für Medienpädagogik.
Professor Dr. Helga Theunert, JFF - Institut für Medienpädagogik, stellte die viel zitierte Medienkompetenz der digital natives in Frage. Denn diese bedeute mehr als bloß technisches Knowhow und könne auch in dieser Generation nicht durch einfaches "learning by doing" erfolgen. Nach wie vor bestünde ein großes Orientierungsbedürfnis im Hinblick auf das Verständnis des Mediums Internet als Mittel zur Medienpartizipation mit all seinen Auswirkungen und Folgen im körperlichen Leben.
Der neue Auskunftsanspruch aus richterlicher Sicht

Dr. Emil Schwippert, Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht Köln, VI. Zivilsenat.
Dr. Emil Schwippert, Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht Köln, erläuterte im Rahmen der Podiumsdiskussion die Bedeutung des noch recht jungen Auskunftsanspruchs für die Opfer von Urheberrechtsverletzungen in seiner täglichen Praxis. Zugleich betonte er die Schwierigkeiten in der Anwendung, etwa in Bezug auf die Feststellung gewerblichen Ausmaßes einer Verletzerhandlung.
Vom homo sapiens zum homo videns?

Prof. Dr. Frank Hartmann, Bauhaus-Universität Weimar.
Aus philosophischer Perspektive beleuchtete Professor Dr. Frank Hartmann von der Bauhaus-Universität Weimar die Debatte. Wo technischer Fortschritt oftmals lediglich die Befreiung des Menschen von lästigen Routineaufgaben bedeute, habe das Internet darüber hinaus zu einer völlig neuen Medien- und Gebrauchskultur geführt.
Streitgespräch:
Ich blogge, also bin ich. Demokratische Willensbildung oder pubertätsübliche Zeitverschwendung?

Von links: Tita von Hardenberg (Moderation); Prof. Dr. Christoph Neuberger, Institut für Kommunikationswissenschaft, Universität Münster; Markus Beckedahl, Betreiber von netzpolitik.org.
Sind Blogger und Follower sich selbst genug?
Auf Qualitätsjournalismus werden wir auch in Zukunft nicht verzichten können - diesbezüglich waren sich Prof. Dr. Christoph Neuberger vom Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster und Markus Beckedahl, Betreiber von netzpolitik.org einig. Denn im Webblog erfolge zumeist eine Anschlussdiskussion über Themen, die Gegenstand der aktuellen TV- oder Presseberichterstattung sind.
Medienkompetenzbildung als gesellschaftliche Herausforderung
Die Tatsache, dass die Internetkommunikation über Blogs und twitter die moderne Form des "Gesprächs unter Bürgern" bzw. der "Face-to-Face-Kommunikation" darstelle, dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier ein Meinungsbildungsprozess mit enormer Reichweite in Gang gesetzt werden könne und Betreiber und Nutzer sich der gesellschaftlichen Bedeutung bewusst sein sollten.
Aktuelle Berichterstattung zum 4. Kölner Mediensymposium:
Die Pressemitteilung des Ministers für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien zum 4. Kölner Mediensymposium finden sie hier.
Das „Kölner Mediensymposium - Der Hauptstadtdialog“ ist eine medienpolitische Veranstaltungsreihe mit aktuellen Themen und prominenten Rednern in Berlin und wird gemeinsam vom Minister für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien und von der Kölner Forschungsstelle für Medienrecht unter der Leitung von Prof. Schwartmann durchgeführt.
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